Gespeichert unter: Australien
In der Zwischenzeit (immer wieder Sonntags) gab es für uns noch zwei Schwerpunkte: Ein Auto kaufen und Ausflüge machen um Sydney und Umgebung zu erkunden.
Wer sich ein Auto in Australien kaufen möchte hat´s nicht schwer. Die Ummeldung ist schnell geschehen, Autos gibt`s wie Sand am Meer und auf Grund der Backpacker-Flut auch zu erschwinglichen Preisen. Für uns kam nur ein „4WD“ in Frage. So nennen die Australier das Auto was bei uns einfach nur „Jeep“ heißt. Dabei ist ja „Jeep“ so eine „Uhu“ Geschichte… Auf jeden Fall hat hier jeder so ein Fahrzeug, wer nicht in einer großen Stadt wie Sydney oder Melbourne wohnt (Und selbst dort…). Viele der Straßen sind hier in schlechtem Zustand bzw. nicht nur nicht geteert, sondern auch mit fetzen Schlaglöchern und Brocken auf der Fahrbahn. Da fährt es sich doch mit einem vollgefederten, breitbereiftem Truck schon besser – selbst im 2-Rad-Antrieb. Das der knapp doppelt so viel schluckt wie der alte Golf daheim muss man in Kauf nehmen…(der Diesel ist ja auch fast halb so billig).
Genug gerechtfertigt (schließlich hab´ ich ja schon genug grünen Strom verkauft). Möchte man einen richtigen 4WD mit der Möglichkeit darin zu nächtigen und aber auch Leute mitzunehmen hat man entweder die Wahl zwischen einem Nissan Patrol oder einem Toyota Landcruiser (evtl. Mitsubishi Pajero, ist aber etwas kleiner…). Es gäb´ da noch die GL-Klasse von Mercedes… aber unserer Geldbeutel war da anderer Meinung. Die drei Japaner gibt es auf jeden Fall überall hier und damit auch viele Ersatzteile. Wir haben uns einen 95´ Landcruiser (80-Series) in weiß gekauft. Das ist schon ein Monster. Und trotz des 4.2 Liter pervers-großen 6-Zylinder Diesel-Motors, schwächelt er vollbeladen mit 4 Personen etwas am Berg. Da fehlt der Turbolader. Fränkische Weisheit: „Was er net hat kann a net kaputt gehn“. Deswegen dürfen wir auch mit der Hand unsere Fenster kurbeln… das gibt „Mukkis“!
Der war auf jeden Fall schon schön als wir ihn gekauft haben, etwas neuer als die anderen (die 60-Series von ca. 1983-87 ist die typische Backpacker Karre) mit „Roof-Rack“ und „Roo-Bar“ (große Stoßstange vorne). Aber Katharina hat die Mechanikerin ausgepackt und ihn noch schöner gemacht. Für mich ist das Auto männlich. Vorallem nach tagelanger Schrubb-, Schleif- und Sprüh-Arbeit. Fast jeder Kratzer und Rostfleck wurde entfernt, das Roo-Bar und das Roof-Rack neu schwarz angesprüht und die Scheiben verdunkelt. Yeah.
Ein Bett war schon vorhanden (Matratze auf zwei verschiebbaren Holzbrettern). In 5 Minuten umgebaut und die Rücksitzlehen umgeklappt und schon ist Platz für 6 Leute – aber ohne Gepäck (Effektiv für 4 mit Gepäck). Ausrüstung was man so braucht ist auch schon ziemlich alles drin (Towrope, Werkzeug, Küchenutensilien inkl. Kocher, Kühltruhe, Plane, Ersatzkanister, Ersatzreifen etc…). Wir haben noch einen Feuerlöscher und neue Scheibenwischer gekauft.
Für mich persönlich ist es mein erstes eigenes Auto. Für Katharina schon das zweite. Da entwickelt man schon eine spezielle Beziehung zu einem Auto. Für Katha würde ja „die Schöne und das Biest“ ganz gut passen. Ich belasse es bei „Eine Lovestory auf 4-Rädern“. Hab ich gesagt das Auto sei männlich?
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Lange, lange Zeit ist´s her als sich das letzte mal etwas getan hat hier. Der Hauptgrund für unsere vorübergehende Faulheit ist Arbeit. Viel Arbeit. Aus verschiedenen Blickwinkel betrachtet, stellt sich die 3 Monatige Zeit in Sydney wie folgt dar:
Lorenz und der Strom
Sydney ist eine schöne, multikulturelle Stadt. Mit unserem Sharehouse in Glebe war schon der erste Schritt für ein vorübergehendes Settlement getan. Fehlte nur noch ein Job. Ein kurzer Anruf bei einem dieser Plakate, die immer in den Backpackers der Stadt aushängen: „Drink beer and earn money“, „$$$ and lots of fun“, „Easy Cash – flexible working“ genügte. Ich habe nicht viel erwartet – einen Promotion-Job bei dem man Leuten Zeugs verkauft, das sie nicht brauchen. Spannend.
Nach dem Vorstellungsgespräch war es schon gleich etwas interessanter – grüner Strom. Es ging tatsächlich um grünen Strom, nicht um Staubsauger, Charity, oder PayTV. Etwas gutes für unsere Mutter Erde tun, das Land und die Leute kennen lernen und auch noch Geldverdienen? Warum nicht ausprobieren…
Jackgreen heißt der Spaß. Ein Australisches Energie-Unternehemen, das den Leuten 10% – 100% grünen Strom anbietet. 10% gibts zum selben Preis wie Kohle… also umsonst – 100% grüner Strom kostet $4.40 extra pro Woche. Wie teuer ist das wohl in Deutschland? Man muss dazu sagen, dass die Australier mit Umweltschutz eh etwas hinterher sind. Dicke (deutsche) Autos, Recycling hat so gut wie grade erst begonnen und die Energie kommt zu 90% von guter, australischer Kohle. Davon gibts hier nämlich viel. Nur 5% des Stroms kommt momentan aus erneuerbaren Energien.
Das ganze VBS-Team, VBS ist die Door-2-Door-Sales-Agency für Jackgreen, ist sehr jung. Meine Chefin ist so alt wie ich und aus Schweden. Sie hat vorher schon einen MacDonalds dort geleitet und hat jetzt ein Sponsorship-Visa für Australien. Sie ist der Channel-Manager. Darunter kommen die Field-Manager und dann die Sales-Representatives. Hier herrscht Hierarchie. Aber prinzipiell ist es recht locker und fröhlich. Wir fahren meißt etwas raus aus Sydney, jeder hat ein Jackgreen-Shirt, einen Folder mit Unterlagen und eine ID-Badge dabei. Dann gibt es eine kleine Umgebungskarte mit den Straßen die zu „klopfen“ sind und auf gehts : Sales, sales, sales!
Alles dreht sich um Sales. Den meisten hier geht es nur um die Kohle. Es ist wie ein Spiel und wer am Tages/Wochen/Monats-Ende am meißten hat, ist der Gewinner. Verlierer gibt es dennoch nicht. Jeder bekommt hier positives Feedback und Training. Klar es sollen ja möglichst viele Sales gemacht werden. Es gibt auch einige Roadtrips. Man spart sich die Unterkunft in Sydney und fährt für eine Woche noch etwas weiter auf´s Land und kommt so in noch abgelegenere Gebiete die seltener geklopft werden von anderen Unternehmen.
Man sieht so sehr viel von New-South-Wales. Viel von den Australiern, viel von ihren Häusern und ihren Stadten. Obwohl „Doorknocker“ nicht recht beliebt sind (wen wundert´s?) sind die meisten Leute recht freundlich und offen. Sie sind auf ein einfaches, gutes Leben aus, mit Jeep und Häuschen mit Pool. „Global-Warming“ ist ein Thema hier in Australien. Die verschmutzen ja recht gut hier und kriegen die Veränderungen direkt mit. Trotzdem wissen nicht viele darüber wirklich bescheid. Deshalb ist es nicht immer einfach „grünen Strom“ zu verkaufen. Auch weil viele hier ja in der Kohleindustrie arbeiten…
Das habe ich die letzten 3 Monate 6 Tage die Woche ohne Pause gemacht. Sales. Es hat von Anfang an ganz gut funktioniert. Pro Sale gibt es $25 plus ein Basisgehalt von $100 pro 10 Sales die Woche. Als Field-Manager, was ich für den letzten Monat war, bekommt man zusätzlich für sein Team, seine Reps, etwas Geld. Im Schnitt konnte ich pro Woche ca. $600 mitnehmen. Das ist realistisch weil man einfach auch schlechte Wochen hat in denen man nur 12-13 Sales die Woche macht. In anderen Wochen macht man (wenn man gut ist) 20-30 Sales und verdient $700 – $1000 die Woche. Alles dreht sich hier ums Geld.
Letztendlich war es für mich eine gute Zeit, in der ich nicht schlecht verdient und auch ein bisschen was gegen meinen eigenen Carbon-Footprint getan habe.
Katharina und Café
Mit Jobs im Hospitality-Business läuft es hier immer ähnlich. Zuerst bewirbt man sich, am besten persönlich, danach hat man erst mal Probearbeiten (sog. Trial-Days). Nach ein paar Tagen, wenn alle 10 Bewerber von den meist über 20 Bewerbungen probegearbeitet haben, wird aussortiert. Wer genommen werden will, muss sehr fleißig, kooperativ und kundenfreundlich sein.
Nach einer Woche warten, bekam ich bescheid, dass ich genommen bin. Yeah! Das Cafe in dem ich 2 Monate gearbeitet habe, befindet sich in Ultimo, nur 15 min zu Fuß entfernt von unserem Sharehouse in Glebe. Meine täglichen Aufgaben waren, Kaffee machen, Milch aufschäumen, Sandwichs und Croissants belegen, big breakfast oder bacon, eggs and rolls oder ähnliche kleine Gerichte zubereiten, Lieferungen annehmen, putzen und natürlich bedienen und kassieren. Der Job ist dadurch, dass ich so viele verschieden Aufgaben hatte, auch nach 8 Wochen noch nicht langweilig gewesen. Ganz im Gegenteil… ich hab viel über die australische Ess- und Kaffeekultur gelernt. Auch der Aussislang ist mir nun geläufiger, da wird nämlich das big breakfast zu einem „big brekky“ und wenn jemand einen Capuccino mit Skim milk und 2 Süßstoff will, sagt der Aussi: „Can I get please a big skimmy Cap with 2 equal“. Nach einigen Wochen kennt man auch alle Stammkunden und weiß schon bevor sie bestellen, was sie trinken und essen werden. Meine Cheffin Mia, sie kommt aus Japan und ist seit ca. 8 Jahren in Oz, vermiss ich jetzt schon richtig. Sie hat mir viel beigebracht und wir haben viel zusammen gearbeitet und gelacht.
Katharina und Wraps
Nach ein 2 Wochen Teilzeitarbeit im Cafe hab ich schnell gemerkt, dass mir 3 Tage arbeiten in der Woche zu wenig sind. Also hab ich mich noch nach einem zweiten Job umgeschaut. Einfach war es nicht…doch nach 3 langen Tagen suchen und Bewerbungen aushändigen, bin ich in Newtown fündig geworden. Der israelische Chef und die Kollegen dort waren mir gleich sympathisch und nach einem Trial-Day hatte ich den Job. Der Laden ist ziemlich neu und stylisch eingerichtet… der Clou sind die frisch gepressten Wraps, die man mit Guacamole, Salat, Käse und frisch gegrilltem Fleisch oder Gemüse bestellen kann. Richtig leckere Angelegenheit, sollte man unbedingt in Deutschland auch einführen… vielleicht eine offene Marktlücke?
Die 2 Monate arbeiten sind wie im Flug vergangen und der Abschied war nicht leicht. Doch nun hatten wir endlich die Zeit und das nötige Geld gespart um Australien zu bereisen.































































