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Irgendein lärmender V8 Truck weckt mich aus meinem Traum. Und ich träume relativ viel am frühen Morgen. Was ich geträumt habe weiß ich nicht mehr, aber die aufsteigende Hitze im Haus macht sich in unserem Zimmer im ersten Stock mittlerweile deutlich bemerkbar. Verschlafen gehe ich ins Badezimmer. Der Boden ist heute außergewöhnlich sauber, dafür dass ihn wahrscheinlich sieben andere auch betreten. Der kräftige Kanadier war wahrscheinlich noch nicht drin heute, he? Nach dem morgentlichen Business, was übrigens auch Zähneputzen und Gesichtwaschen beinhaltet, steige ich die schmalen Treppen unseres wilden „Sharehouses“ hinab. Federika, die kurzharige Italienerin, sitzt wie jeden Tag auf einem der roten Sofas und spielt Online-Games auf Facebook. Facebook. Das muss was extreeeeem außergewöhnlich Tolles sein. Jeder hat das, jeder macht da was und jeder redet dann darüber. Das Studi-VZ der Welt. Klingt schon geil… Noch bleibe ich resistent. „Good Morning“ raunze ich mit bescheidener Stimme, ich hätte es auf auf deutsch sagen können, sie hätte es verstanden. Nicht nur weil das fast jeder versteht, sondern weil sie ziemlich gut deutsch spricht. In der Küche finde ich Davide, der sich ganz nach italienischer Manier, über sein kaputtes Mobile und seinen kaputten Mac aufregt. „Mobile“ das sagt man hier so. Sagst du „Handy“, erntest du verstörte Wombatblicke oder kriegst gleich eine dafür gescheuert. Ich sage ihm dass es mir Leid tut, wegen seinem Mac. „Luca is stiiil working – oll tha time working, working, working“. Luca ist auch Italiener. Es ist überhaupt ziemlich italienisch hier im Haus. Das macht es irgendwie lebhaft.
Ich mache mir und Katharina eine Schüssel Müsli mit frischem Obst. Gefrühstückt wird gemeinsam, so wie sich das für eine ordentliche Ehe gehört. Während ich mir den letzten Löffel reinschaufle, denke ich an gestern Abend. Lustig wars, viele Leute waren da. Unter anderem auch die zwei Holländer aus Amsterdam, Kwame und Marian, die wir im Hostel in Newtown getroffen haben. Kwame hat ghanaische Wurzeln und Marian nicht. Sie war dafür schon mal für 1 Jahr in Ghana. Sie sind nicht zusammen hier sondern haben sich auch hier im Hostel getroffen. Die waren lustig – und das lag nicht nur daran das sie „dutch“ sprechen, obwohl vielleicht ein bisschen: „weiweiwei.iksprechkedutch.püntenel“ oder „Getuigschrift“. Wir haben viel gelacht. Und eine echte Katharina-Tiramisu-Geburtstagstorte mit einer 21-Kerze oben drauf gab es auch von ihnen. Wie man das halt in Holland so macht. Holländer sind klasse. Blain, der kräftige Kanadier (ich schreibe „kräftig“ weil ich Angsthabe, dass er unseren Blog mit Babelfish o.ä. auf Englisch übersetzt und so heimlich mitlesen kann…) hat ein bisschen zu tief ins Glas geschaut. „Neisse Barbegüüü“ ist irgendwann das einzige was er noch rausbringt. Die Müslis sind aufgegessen und die Küchenrolle, die uns den Schweiß von der Stirn wischen sollte, ist leer. Als wir die ersten Schritte vor die Tür setzen, wird uns erst bewusst, wie heiß es wirklich ist. Wahnsinn, hätt ich mir nicht träumen lassen, dass es so abgeht im Sommer. Und wir sind doch noch richtig südlich. Die Busfahrt ist der Horror. Ein Wunder das der alte Mann neben mir keinen Hitzeschlag bekommt, so wie ihm die Sonne auf die Platte scheint. Ich drifte ab, meine Gedanken konzentrieren sich nur noch darauf wie heiß es ist, warum es so heiß ist und ob es am Strand auch so heiß ist. Ist es. Der weiße Sand ist glühend heiß als wir Coogee Beach erreichen.
Wir waren ja schon in „Bondi„, da ist man abgehärtet. Trotzdem sind es mir zu viele Leute. Viele Touristen aber auch Australier mit ihren eh schon verbrannten Körpern schön nochmal einen rausbruzzeln wollen. Vor uns sitzt eine Gruppe von 12-jährigen Mädels, die gerade zum erstenmal Zigaretten paffen. Eine vielleicht 11-jährige steht daneben und verschränkt ihre Arme. Ich glaube sie überlegt gerade ob sie auch so cool sein möchte wie die anderen Mädels um bei der Affenhitze von gefühlten 1000 Grad sich schön das Nikotin hinter die Binde zu ballern, oder ob sie lieber den Außenseiter spielt und mit verschränkten Armen und Schmollmund daneben steht. Das Wasser ist überraschen angenehm kühl. Die Wellen sind überraschen angenehm hoch. Es ist aber Flut und damit keine Gefahr, dass man rausgezogen wird. Falls doch – wer wollte sich nicht schon immer mal von einer hübschen Baywatch-Nixe retten lassen? Zurück am Strand wird uns wieder bewusst, dass es extrem heiß ist. Lange halten wirs nicht aus… war ja auch ne sau blöde Idee in der Mittagshitze an den Strand zu fahren… Zu Hause angekommen ist keiner da. Super! Zeit um sich um dei Jobsuche zu kümmern. Es werden Bewerbungen geschrieben, umgedichtet, Lebensläufe verändert und Jobangebote gesucht. Katha ist mittlerweile sehr sehr glücklich, dass wir einen Laptop dabei haben. Ich komme nicht dazu mich um meine Bewerbung zu kümmern. Macht nix. Morgen.
Am Abend ist das Haus voll. Gitarrespielende Italiener auf dem Sofa, lachende Vodka-Kanadier vor dem Facebook-PC und French-Girl in der Küche. „Whad da fück“ sagt sie immer. Sie hat einen krassen französischen Akzent, so dass wir manchmal echt Schwierigkeiten haben sie zu verstehen obwohl sie gut englisch spricht. Bei Francesco haben wir weniger Schwierigkeiten. Er spricht zwar weniger aber dafür wie ein echter Italiener mit Charme. Wir suchen uns einen Platz in der Küche und fangen an. Erst Zwiebeln schälen, schneiden dann Knoblauch und das restliche Gemüse. Alles in die Pfanne und so richtig schöne Penne rauszaubern. Kochen macht mir spaß und wir tun es oft. Manchmal sogar zweimal am Tag. Bei steigender Stimmung genießen wir unsere Pasta, das schrille Lachen der Koreanerin Joy und den schönen Abend. Zur Bettgehzeit nehme ich mir meinen Nicht-Roman zur Hand und lese ein weiteres Kapitel über die dunklen Machenschaften westlicher Konzerne, ihrer imperialistischen Bestrebungen und die Folgen für die Entwicklungsländer unsere Welt. John Perkins ist spannend. Und real. Und traurig. Ich kuschel mich an Katharina ran und schlafe ein.
Ich träume von unserer letzten Zeit in Neuseeland: Nachdem wir wieder die Nordinsel erreicht hatten, gab es nur 1 Ziel. Tongariro-Crossing. Wir haben die Hart-Ei Tour der Weicheier gemacht und es war wunderschön. Als kleines Intermezzo entschieden wir uns für die Besteigung des Mt. Ngauruhoe, des Schicksalsbergs, des Mt. Doom aus Herr der Ringe. Die Weicheitour für Hart-Eier wäre die 3 oder 4 Tagestour – dafür hatten wir keine Zeit mehr… Nach extremer Erschöpfung und einer weiteren Nacht in Taupo entschieden wir uns für den Weg richtung Norden. Schön rein.
Wir treffen Michi & Jessy in Katikati, wunderschöner Name, an der Nordküste der Nordinsel. Es regnet ausnahmsweise. Nach dem kurzen Abstecher nach Coromandel beschließen wir Sylvester entspannt in Waiuku und dem Haus, das Michi und Jessy nicht gehört zu verbringen. Wir sind verblüfft. Es gibt hier alles. Einen Blubber-Wubber-Blubber-Whirl-Blubber-Spa-Pool, zwei Spülmaschinen, einen rießigen Flachbildschirim, einen großen Garten mit nochgrößeren Paddocks und einen hypermobilen Deutschen Schäferhund mit ADS. Wir bekommen unserer eigenes Doppelzimmer for free. Yeah! Waiuku rocks. Super ins neue Jahr gestartet sind wir dann nach Auckland gefahren worden um in unserem Heimat-Hostel „Bamber House“ nette Leute zu finden die mit uns in den Norden von Neuseeland fahren.
Nachdem sich vorerst niemand auf unsere extrem-geile „Wir-mieten-ein-Auto-Print-Kampagne: Wanna Save Fuel?“ gemeldet hat (muss der scheiß Designer schuld gewesen sein…) wollten wir schon denn Nagel an den Hammer hängen. Doch dann stand er vor uns: Dodo zu Knypphausen. Groß und schlank, mit Holzfällerhemd in der Jeans und aus dem Rheingau. Er möchte Neuseeland gerne in 3-4 Wochen machen und „Northland“ gerne in 2 Tagen durchpressen. Fein. Wir nicht – aber macht ja nix. „Steigste halt aus wenns dir passt“. Als wir in Karen der Kanadierin noch unseren vierten Mitfahrgelegenheitspartner gefunden hatten waren wir alle happy. Bis auf Dodo (ja es ist sein richtiger Name – „passport-prooved“ ). Dodo möchte jetzt lieber doch nicht mit weil er nicht weiß wie er wieder runterkommen soll, nach Auckland. „Mann Dodo, NZ ist ein Travell-Paradies – da wird sich schon was finden…“. Das hat ihn zumindest bis zum Abfahrttag um 6:00 Uhr überzeugt. Als er sich dann kurz vor Kassenschluss erneut unsicher ist, sagt ihm Katharina dass er doch auf sein Herz hören solle. Er gibt mir die 20 Dollar plus weitere fünf für die Unbequemlichkeit um sich freizukaufen. Der Rental-Guy kommt mit unserem Auto und Dodo zu Knypphausen hüpft in letzter Sekunde noch rein. Ich gebe ihm seine 5 Dollar wieder.
Letztenendes sind wir sehr, sehr froh, dass Dodo mit uns zwei sehr schöne Tage gereist ist. Durch seine ein bisschen ängstliche aber durchaus ehrliche, sympathische und lustige Art war er ein super Zeitgenosse. Wir sind durch die spannenede Weinbauregion gefahren und haben mit Dodo Wein getestet (Er hat im Rheingau einen familiären Whineyard), waren mit ihm in den Kauri-Forests um Kiwis zu entdecken und am Strand um gegen die Strömung zu schwimmen, als er uns dann am dritten Tag mit einem einfachen Busticket für ca. NZ 45$ von Pahia nach Auckland wieder verlassen hat. Dodo war so ein Typ, dem ich zugetraut hätte, keinen Facebook-Account zu haben.
Karen hingegen hat bestimmt einen. Sie war selbstverständlich auch immer dabei und hat sich von mir Löcher in den Bauch fragen lassen…ob man Elche reiten kann, ob alle Kanadier Holzfällerhemden wie Dodo tragen oder ob jeder mit einer Schaufel und einer Axt rumläuft um Schnee zu schippen, Bären zu erlegen oder Bäume zu fällen. Mit Karen sind Katharina und ich nach einem entspannten Kajak-Tag in der Bay of Islands, noch weiter bis an die Nordspitze Neuseelands gefahren. Cape Reinga ist sehr schön, jedoch braucht es knapp 2 Stunden ohne Zivilisation bis man oben ist und es war sehr, sehr heiß. Auf dem Rückweg haben wir noch einen Abstecher nach Ahipara gemacht – ganz an der Südspitze des 90-Mile-Beach (der ist übrigens nie und nimmer 90 Meilen lang, vielleicht 90 Km). Nachdem wir das mit der Unterkunft wohl doch nicht mehr so gut regeln konnten, fanden wir einen lustigen Maori-Campingplatz etwas abgelegen an einer netten Bucht. Am Anfang hatten wir Angst ob sie uns jetzt gleich auffressen oder lieber später. Sie waren zu unserem Glück schon satt und auch überaus freundlich. Ob die wohl einen Facebook-Account haben?
Kurz vor Ende unseres Trips, so ca. eine Stunde vor Auckland, stecke ich den Schlüssel in das Schloss und nichts geht. Er lässt sich weder rausziehen noch lässt er nicht rumdrehen. Dodo hatte vielleicht ein Glück dass er nicht mehr mit dabei war. Der „Locksmith“ hat geschlagene zwei Stunden damit verbracht einzelne Schlüsselteile aus der ausgebauten Zündung rauszupulen. Zwischendrin habe ich mich ein bisschen mit ihm unterhalten: „Yeeeeeaaahhh….yeeeeaaaahhhh…..yeaaaaaaaah!“ war so ziemlich das einzige was er sagen konnte. Musste sich wohl konzentrieren. Zum Glück hab ich keinen Facebook-Account, sonst müsste ich ihn bestimmt zwanghaft auf andere komische Eigenarten ausspionieren. Der Autovermieter hat uns die Verspätung glücklicherweise nicht berechnet. Die 180 Bucks Locksmith mussten wir uns dennoch teilen. Der Schlüssel war wohl irgendwie verbogen…
Michi und Jessy, die uns schon einmal über Sylvester so liebenswert in dem Haus aufnahmen, dass ihnen gar nicht gehört, hatten uns angeboten die letzten zwei Tage in Neuseeland bei Ihnen und dem fremden Haus zu verbringen. Wir hatten damals schon super viel Spaß und so sollte es wieder kommen. Für eine runde Rasenmähen (elektrisch: ja, zum draufhocken und rumdüsen: nein) drücke ich mich die kommenden zwei Tage vor der Hausarbeit. Es wird gekocht und gelacht und im Spa-Sprudel-Whirl-Blubber gebadet. Über erfolgreiches Angeln kann ich leider nichts berichten. Weiß auch nicht woran das lag. Der Abschied ist kurz – unser Flieger geht in einer halben Stunde. Wir erwischen ihn und wenig später liegen wir im Landeanflug über die Weltmetropole Sydney. Die schaut auch von oben groß aus.
Ich wache auf. Es ist jetzt gut drei Wochen her seit dem wir Neuseeland verlassen haben. Die ersten zwei Wochen haben wir in unserem vorgebuchten Hostel „Billabong Gardens“ in Newtown verbracht. Newtown ist cool – das Hostel naja. Hier gibt es allesmögliche an Imbiss, kleinen Läden und Pubs. Ein bisschen wie das nürnberger Viertel „Gostenhof“. Alles schön zentral gelegen an einer einzigen Straße der „Kingstreet“. Das ist hier in Sydney oft so. Jedes Viertel hat sein eigenes kleines Zentrum. Das macht die Stadt so lebhaft – mit vielen engen Reihenhäuschen im viktorianischen Stil. Aber auch die Australier: „Andrew“ ist unser Freund aus Adelaide. Er macht eine mehrmonatige Fortbildung in Sachen Finacial-Planner, hier in Sydney. Über Land und Leute hat er uns schon viel erzählt und uns auch schon nach Adelaide zu sich eingeladen. Fast hätten wir schon einen Flug gebucht um dort nach einem Auto zu schauen und unseren Roadtrip von Adelaide aus zu starten. Dann ist uns wieder eingefallen, das Fliegen doch sehr umweltfeindlich sei und wir ja eh schon mit dem Bäumepflanzen für unseren restlichen Flüge gar nicht mehr hinterher kommen. Schnelle Umentscheidung: Autokauf in Sydney (wo wir jetzt im Moment sind und auch die kommenden 2 Monate) – da haben wir genügend Zeit und Angebot gibt es auch. Klar ist es nicht gerade umweltfreundlich mit einem Allrad-Fahrzeug die doch nicht zu vernachlässigenden Australischen-Distanzen zurückzulegen, jedoch immerhin sauberer und hoffentlich erlebnisreicher als Fliegen.
Die Jobsuchmaschine läuft auf vollen Touren. Es gibt unzählige Angebote aber auch en Masse Nachfrage. Beworben haben wir uns schon als alles mögliche: Grafik-Designer, Physiotherapeut, Massagetherapeut, Kellner, Küchenhilfe, Promotioneer, Takeaway-Assistant etc. Letztendlich werde ich ab Donnerstag grünen Strom an Haustüren verkaufen und Katharina mixt in der Zwischenzeit schon Kaffee in einem Coffeeshop und bedient in einem Restaurant.
Mein Handy klingelt. Fabi: „Ja“, „Ok“, „Geil…mann“. Wir machen zusammen Tazzy. Rockt. Ich erzähle Katharina, das Fabian mein ehemaliger Flatmate (Mitbewohner) angerufen hat um uns zu fragen ob wir Anfang April mit ihm und seiner Freundin Inna nach Tasmanien fahren wollen…
Klar wollen wir…
Lorenz

























































